Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)Deutsches Singspiel in drei Aufzügen
Es ist nicht das schlechteste Gütesiegel einer Opernaufführung, wenn sie für Aufregung sorgt. Stefan Herheims Inszenierung der Entführung aus dem Serail hat die Gemüter erhitzt, weil sie auf herkömmliche Bilder radikal verzichtet: Kein orientalischer Palast und kein türkischer Pascha finden sich auf der Bühne, kein Harem und keine wilden Muselmanen. Konstanze und Belmonte, Blonde und Pedrillo stellen sich vielmehr Fragen, die uns allzu bekannt vorkommen: Gibt es die große Liebe? Die ewige Treue? Ist es ein Traum? Oder ein Trauma? Das Serail ist der Ort der Entscheidung, wo sich der Knoten der Gefühle entwirrt und die Stunde der Wahrheit schlägt: Sich trauen, heißt die Devise, die ganz sinnfällig Mozarts persönliche Lage zur Entstehungszeit der Entführung spiegelt, gab doch der Komponist am 4. August 1782, nicht einmal drei Wochen nach der Uraufführung der Oper, seiner „realen“ Konstanze das Jawort fürs Leben.
Stefan Herheim hat das Stück von aller Opernkonvention entschlackt, auf seinen Kern verdichtet – und dabei mit einigen Traditionen gebrochen. So tritt zum Beispiel Bassa Selim, Heros der Aufklärung, nicht in Person auf: Zu ideal, um wahr zu sein, steht er für alle und keinen, ein Über-Ich, der göttliche Funke, der in einem jedem wohnt. Mit einem jungen, spielfreudigen Ensemble wird Herheim Die Entführung aus dem Serail im Sommer 2004 neu einstudieren. Dabei darf man auf manch frischen Akzent gespannt sein: Denn die Salzburger Festspiele verstehen sich auch als Werkstatt.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)Deutsches Singspiel in drei Aufzügen
Es ist nicht das schlechteste Gütesiegel einer Opernaufführung, wenn sie für Aufregung sorgt. Stefan Herheims Inszenierung der Entführung aus dem Serail hat die Gemüter erhitzt, weil sie auf herkömmliche Bilder radikal verzichtet: Kein orientalischer Palast und kein türkischer Pascha finden sich auf der Bühne, kein Harem und keine wilden Muselmanen. Konstanze und Belmonte, Blonde und Pedrillo stellen sich vielmehr Fragen, die uns allzu bekannt vorkommen: Gibt es die große Liebe? Die ewige Treue? Ist es ein Traum? Oder ein Trauma? Das Serail ist der Ort der Entscheidung, wo sich der Knoten der Gefühle entwirrt und die Stunde der Wahrheit schlägt: Sich trauen, heißt die Devise, die ganz sinnfällig Mozarts persönliche Lage zur Entstehungszeit der Entführung spiegelt, gab doch der Komponist am 4. August 1782, nicht einmal drei Wochen nach der Uraufführung der Oper, seiner „realen“ Konstanze das Jawort fürs Leben.
Stefan Herheim hat das Stück von aller Opernkonvention entschlackt, auf seinen Kern verdichtet – und dabei mit einigen Traditionen gebrochen. So tritt zum Beispiel Bassa Selim, Heros der Aufklärung, nicht in Person auf: Zu ideal, um wahr zu sein, steht er für alle und keinen, ein Über-Ich, der göttliche Funke, der in einem jedem wohnt. Mit einem jungen, spielfreudigen Ensemble wird Herheim Die Entführung aus dem Serail im Sommer 2004 neu einstudieren. Dabei darf man auf manch frischen Akzent gespannt sein: Denn die Salzburger Festspiele verstehen sich auch als Werkstatt.